Zitate


„Mit Maß angewendet, wirkt eine erstklassige Gedichtzeile wie eine ausgezeichnete und schnell wirkende Hitze-Therapie.
Einmal, als ich in der Armee war und über drei Monate lang hatte, was man vielleicht eine Rippenfellentzündung in ambulanter Behandlung nennen könnte, spürte ich zum ersten Mal wirkliche Erleichterung, als ich ein vollkommen unschuldig aussehendes Gedicht von Blake ungefähr einen Tag lang in meiner Hemdtasche wie einen Wickel an mir trug. Extreme sind immer gefährlich und wirken gewöhnlich unmittelbar verderblich, und die Gefahren der zu heftigen Berührung mit Lyrik, die noch das zu übertreffen scheint, was wir üblicherweise als erstklassig bezeichnen – diese Berührungen wirken fürchterlich.“

aus: J. D. Salinger (1968): Hebt den Dachbalken hoch, Zimmerleute und Seymour wird vorgestellt (OT: „Raise High the Roof Beam, Carpenters and Seymour: An Introduction“, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Heinrich und Annemarie Böll). Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg. S.89

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„So sehe ich starke Literatur: Verwurzelt in den sinnlichen Gegebenheiten des Lebens und diese beschreibend. Was sollen Romane sonst tun, es sei denn, sie reproduzieren literarisch den faulen, hohlen Zeitgeist der Gegenwart? Die Welt riecht, stinkt, sie ist schrill, bunt, laut, intensiv, leidenschaftlich, manchmal unerträglich, ungerecht, kurzum: lebendig.“

aus: „Es gibt kein Entrinnen vor der Fremdheit“. Catalin Dorian Florescu sprach mit Koschka Hetzer-Molden. DER STANDARD Printausgabe, 22./23.1.2011 (Onlinequelle, 21. Jänner 2011)

„Als ich älter wurde, beschloss ich, ein wirklicher Schriftsteller zu werden. Ich versuchte über wirkliche Dinge zu schreiben. Ich wollte die Welt beschreiben, weil es zu einsam war, in einer unbeschriebenen Welt zu leben.“

aus: Nicole Krauss (2006): Die Geschichte der Liebe (OT: „The History of Love“, Übersetzung aus dem Englischen von Grete Osterwald). Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg. S.13

„Dass du die Dinge nur auf deine Art siehst, bedeutet nur, dass du sie eben so siehst, nicht, dass sie wirklich so sind. Jeder Einzelne ist eine Welt für sich und es gibt unendlich viele Welten.“

aus: Rodrigo Rey Rosa (2003): Der Henker des Friedens (OT: „Que Me Maten Si…“, Übersetzung aus dem guatemaltekischen Spanisch von Erich Hackl). Wagenbach (= WAT ; Bd. 474), Berlin. S.16