Kleine ÄngsteEine Geschichte von Dirk Riegert nach Motiven des Erzählspiels Kleine Ängste.
Sprachaufnahmen: Voice Art Düsseldorf
Erzähler: Reinhard Schulat
Aufnahmeleitung und Sprachregie: Martin Ruiz Torreblanca
Produziert, arrangiert und gemastert Januar 2004 im Nachtschichtstudio von Tobias Hahn und Dirk Riegert
Klavier: Tobias Hahn
Artwork: Oliver Schlemmer
Coverart: Marko Djurdjevic und Oliver Schlemmer

Fairy tales do not tell children the dragons exist. Children already know that dragons exist. Fairy tales tell children the dragons can be killed.
– G. K. Chesterton

DollyVor einigen Jahre brachte der Mannheimer Verlag Feder und Schwert eine Übersetzung des Rollenspiels Little Fears auf den Markt, unter dem Titel Kleine Ängste. Teil der Veröffentlichungsstrategie war eine enge Zusammenarbeit mit der Gothic-Band Janus, die nicht nur einen Soundtrack zum Spiel veröffentlichten (Welcher der limitierten Fassung ihres Albums Auferstehung beilag), sondern auch das vorliegende Hörspiel. Das Hörspiel folgt in 28 Minuten und sieben Tracks die Erlebnisse der sieben Jahre alten Dolores…

LemurenDie Geschichte beginnt damit, das Dolly nachts von einer bösen whispernden Stimme geweckt wird. Zunächst scheint es so, als sei es die Stimme ihres Teddys Ben, doch nach und nach wird immer deutlicher das es mit Ben mehr auf sich hat als es scheint. Die Stimme führt Dolly in das geheimnisvolle Land unter dem Bett, ein Ort voller Monster und Geheimnisse. Als sie das Land betreten finden sie sich auf dem Friedhof der Hoffnungen wieder, wo lauter Kinderhoffnungen begraben liegen. Hier lauern aber auch die Lemuren, finstere Schattenwesen welche Kinder jagen die hierher finden. Dolly kann ihnen entkommen, aber Ben führt sie dabei weiter in das Land unter dem Bett hinein…

Die Welt steht Kopf Den Lemuren entkommen findet sich Dolly in einer Art Wüste wieder, in der sich seltsame Bäume befinden – die Baumfrauen, schreiende Wesen die Kinderseelen umklammern und nie mehr hergeben. Hier deutet Ben auch an das dieses Land auf Dollys wünsche reagiert, aber dennoch eigene Regeln und Ziele hat – und das Ben sie Zwar beschützt, dennoch aber eigene Pläne verfolgt. Auf Bens Hinweis hin das es sich um ihre Welt handelt wünscht sie sich das sie verschwindet, und zu ihrem entsetzen verschwindet die Welt, und Dolly stürzt in die Dunkelheit hinab…

Der Sturz endet in eine finstere und dunkle Höhle, in der sich eine riesige, unheimliche Kreatur befindet, ein Sammler – eine eklige Mischung aus Spinnen, Mann und Alptraum welches blind im Schlamm nach kleinen, runden Dingen sucht um sie zu essen – Kinderaugen.Als die Kreatur Dolly hört flieht sie mit Bens Hilfe weiter in die Dunkelheit hinein, an einen sicheren Ort, einem Ort an dem sich Dolly, so lange sie die Augen geschlossen hält, warm und sicher fühlt. Aber selbst hier ist Dolly nicht wirklich sicher – denn die Stimme, die aus ihrem Teddy spricht, deutet an, wovor Dolly wirklich davonläuft, und wem sie wirklich dient. Als Dolly die Augen öffnet, gerät sie an das Ende des Landes. (Bild: Kinderaugen)

Eine kalte, trostlose Ebene erstreckt sich vor ihr, begrenzt durch eine riesige Mauer aus schwarzen Steinen und umringt von trostlosen, seelenlosen Kindern. Dolly gelingt es zu Bens Überraschung das zu finden, was er als „Die Letzte Tür“ bezeichnet, den einzigen Durchgang durch die Mauer. Die Tür führt einen entweder zu seinen schlimmsten Alptraum oder nach Hause. Sie kämpft darum, die Tür zu öffnen während Ben auf sie einredet und ihr ihre schlimmste Angst vor Augen führt, als die Tür sich plötzlich öffnet, und der Zuhörer erkennen muss das manchmal Zuhause der schlimmste Alptraum sein kann…

Fazit:
Das Rollenspiel Kleine Ängste behandelt sowohl „kindlichen Horror“ als auch die konkreten Schrecken des Kindesmissbrauchs, und auch das Hörspiel wandelt auf diesen sehr schmalen Grat, ohne etwas zu verharmlosen oder verherrlichen. Statt dessen gelingt es dem Sprecher und den Autoren hier dem Zuhörer ein Gefühl für die Angst und Verzweiflung zu vermitteln die ein Kind fühlen kann, vor allem wenn seine größte Angst nicht die Monster unter dem Bett ist…
Dem Hörspiel gelingt es, ein Verbrechen zu thematisieren das in unserer Gesellschaft immer noch sehr oft totgeschwiegen wird, ohne zu billigem Effekthascherei greifen zu müssen. Ein sehr gutes Hörbuch, das aber durch seine Thematik nicht für Jedermann geeignet ist.

Das Copyright des Coverbildes liegt bei der Band Janus bzw. bei den Künstlern. Für alle anderen im Artikel verwendeten Bildern liegt das Copyright bei der Künstlerin Ilona Greff, und wurden mit ihrer freundlichen Erlaubnis verwendet. Ihre weiteren Arbeiten können hier eingesehen werden.